Bis
in die Spätantike war die Landwirtschaft der Haupterwerbszweig der Bevölkerung. Die Beschäftigung in der Landwirtschaft galt als ehrbare und geachtete
Tätigkeit. Handwerkliche Tätigkeiten
wurden in vielen Fällen weniger geachtet.
Zum Errichten eines Bauernhofs schreibt M. VITRUVIUS folgendes in seinem sechsten Buch, neuntes Kapitel: Theorie der landwirtschaftlichen Gebäude: Zuerst
muss man, wenn
man Landhäuser
(Villa) anlegt, eben so, wie es im ersten Buche bei Anlage einer Stadt
vorgeschrieben worden ist, auf die Gesundheit der Gegend sehen. Die Größe
derselben muss der Größe des dazu gehörigen Ackerlandes und dem Erträge an Früchten entsprechen.
Die Größe der Wirtschaftshöfe (cohors) ist nach
der Anzahl der Stücke Vieh, und der Joche Ochsen, die darauf zu halten
sind, zu bestimmen. Der Küche weise man in dem Viehhofe am wärmsten Orte
ihren Platz an. Dicht daran
lasse man die Ochsenställe (bubilia) stoßen, deren Krippen gegen den Herd und gegen Morgen zu richten sind,
indem die Ochsen durch den Anblick des Feuers und Lichts nicht rauh
werden;
daher auch die Landleute, die der Wirkung der Weltgegenden nicht unkundig
sind, behaupten, die Ochsen müssen nie anders, als gegen Sonnenaufgang
stehen. An Breite aber müssen
die Ochsenställe weder weniger als 10, noch mehr als 15 Fuß halten: Ihre
Länge muss so beschaffen sein, dass auf Jedes
Joch Ochsen nicht weniger als 7 Fuß kommen. Ingleichen müssen die Bäder (balnearia) neben der Küche
liegen; weil also die
Zubereitung eines ländlichen Bades nicht mit großen Weitläufigkeiten
verknüpft ist. Auch die Ölkelter (torcular) sei zunächst der Küche, indem
die Zubereitung der Oliven also am bequemsten ist. Gleich daneben befinde
sich der Weinkeller (vinaria cella), dessen Fenster nach Mitternacht gehen
müssen, weil sonst, wenn sie
nach einer ändern Gegend gerichtet sind, wo die
Sonne hinein scheinen kann, der
Wein im Keller durch die Hitze trübe und schal wird.
Kollergang [lat. trapetum < griechisch
trapein, (Trauben) „treten", sizilianisch noch immer trapitti. Diese
griechische Erfindung erleichterte seit dem4./3. Jh. v.Chr. die
mechanische Verarbeitung reicher Oliven ernten: Sie wurde von den Römern
übernommen. Der Kollergang vermochte ohne Beschädigung der Kerne das
Fruchtfleisch abzuquetschen. Da sich die Kerne unten sammeln, muss der
Kollergang eine Regulierung für die Einsinktiefe der Druck-Körper
haben.
Mühle
Zur
Erzeugung von Mehl, Schrot, Graupen aus Getreide und Hülsenfrüchten gaben
die Griechen den im Neolithium entwickelten Reibstein auf und
konstruierten spätestens im 5. Jh. v.Chr. die Schwenk-Mühle Ihr etwa
halbkreisförmiger Unterstem erhielt ein Loch im Zentrum, in dem ein Zapfen
saß. Am Zapfen im Zentrirwinkel drehbar hing die hölzerne Führung des
sektorförmigen Obersteins. Die Bewegung rechts-links (statt bisher
hin-her) erleichterte die (Sklaven-) Arbeit. Die volle Kreisbewegung
nutzte die nächste Erfindung im Mühlenbaubau, die Göpel-Mühle, die
vielleicht gleichzeitig aufkam. Nun konnten auch Tiere eingespannt werden.
Völlig neu wurden dazu die zwei Mühlsteine geformt: Der Unterstein wurde
als Kegel aus-gebildet, dessen Spitze in eine starre eiserne Achse
auslief. Verbindungsglied zum Oberstein war eine starke eiserne Scheibe,
deren Zentrum auf der Achse des Untersteins aufsaß: Sie trug den
eigenartig als bikonkaven Ring ausgebildeten Oberstein; dessen offener
oberer Teil nahm den Getreidevorrat auf, der nach und nach durch vier
Löcher in der eisernen Verbindungsscheibe in den engen Spalt zwischen
Oberstein und Unterstein fiel. Diese sanduhrförmige Bauart (Abb.) ist
vielfach Überliefert; ähnlich sind auch Gesteinsmühlen konstruiert. Noch
vor Beginn unserer Zeitrechnung entstand unter Mithridates von Pontos die
Wasser-Mühle; sie forderte abermals eine Umgestaltung der Mühlsteine, die
dann die uns geläufigen Formen annahmen. Dazu war außerdem die Übersetzung
der Kraft von der horizontalen Wasserradwelle Ober, Zahnrad und
Stockgetriebe auf die Vertikalachse des Obersteins nötig. Handdreh-Mühle
sind aus den römischen Provinzen vielfach bekannt, dabei ergeben sich
lokale Unterschiede in der Bauart. Mühlsteine aus dem heute Gebrauch.
Quarzsandstein in Scheibenform sind selten. In den Mahlwerken der Antike
wurden vulkanischen Gesteine, Trass oder körnige Basalte und eine
konische, für den Oberstein (Läufer) konkave für den Unterstein konvexe
Ineinanderpassung bevorzugt.
Die
Pferdeställe (equilia) müssen zumal auf dem Lande an sehr warmen Orte,
nur nicht so, dass sie auf den Herd sehen, gestellt werden; denn wenn sich
der Pferdestall nahe beim
Feuer befindet, so werden die Pferde straubig. Ingleichen ist es
nicht undienlich, im Freien,
außerhalb der Küche, gen Morgen Krippen (praesepia)
hinzustellen; denn wenn die Ochsen an heitern Wintertagen morgens im
Sonnenscheine daran gefüttert werden, so werden sie davon ungemein glänzend. Die
Scheunen (horrea), die Heu- und Futterböden (fenilia et
farraria), die Mahl- und
Backhäuser (pistrina) müssen außer dem Gehöfte (extra viliam) angelegt
werden, um dieses desto mehr vor Feuersgefahr zu bewahren. Will man auf
den Landhäusern
irgend
etwas
vorzüglich geschmackvoll anlegen; so muss man sich dazu der oben zur Aufführung der Stadtgebäude festgesetzten
Verhältnisse bedienen; jedoch nur also, dass hier immer die Schönheit dem
landwirtschaftlichen
Nutzen
unter-geordnet sei.
Überhaupt bei allen Gebäuden ist dafür zu sorgen, dass sie hell sein. In Ansehung der Landhäuser ist
dieses nicht schwer zu bewirken, indem auf dem Lande nicht leicht eines
Nachbars Wand im Wege steht; allein in der Stadt, wo die Höhe der
gemeinschaftlichen (paries communis)
Geschichte der Landwirtschaft
Bis zum Beginn des maschinellen
Zeitalters ist die Landwirtschaft in jeder Kultur der wichtigste
Wirtschaftszweig gewesen. Alle Kulturen durchlaufen ein reines
Agrarstadium, Ehe neue Erwerbszweige wie Handel und Handwerk es ablösen und
selbständig neben die Landwirtschaft treten. Die stufenweise Zähmung und
Veredelung von Haustieren und Nutzpflanzen ist ein Prozess, der im
Mesolithikum beginnt und noch andauert. Die älteste Stufe der Entwicklung
geht für den Bereich der Mittelmeerwelt zurück bis zu vorhistorischer
Zeit. In den ägyptischen
und mesopotamischen
Hochkulturen
beruht
Landwirtschaft auf
einem genau ausgearbeiteten
Bewässerungssystem, während man in der griech.-römischen Welt
fort-dauernde Nutzbarkeit des Bodens durch das sogenannte dry-field-system
zu sichern suchte, nur gelegentlich wird auch hier Bewässerung angewandt.
Unsere ältesten schriftlichen Quellen, die myk. Tafeln mit Inschriften in
Linear B (Mykenisch), bezeugen schon eine hochentwickelte Landwirtschaft
mit stark spezifiziertem
Das Lehrgedicht des Hesiod
spiegelt das arbeitsame Leben des kleinen Bauern wider. In der gesamten
darauf folgenden Literatur findet man praktisch bei jedem Verfasser
Schilderungen oder Anspielungen auf die Landwirtschaft. Die kompliziertere
Bezeichnend hierfür ist die
reichhaltige Literatur zur Landwirtschaft, die dieses Jahrhundert
hervorbringt.
Die Älteste der erhaltenen
Schriften ist Xenophons Dialog 0ikonomikos. Die hellenstischen,
Landwirtschaftsliteratur ist beinahe gänzlich verlorengegangen, lebt aber
weiter als eine der Quellen für die erhaltenen römischen
Landwirtschaftstheoretiker. Gleichzeitig mit der Eroberung der
hellenistischen Welt übernahm die römische Oberklasse den hellenistischen
landwirtschaftlichen Produktionsapparat nach Italien, und zahlreiche durch
Sklaven betriebene villae rusticae (Einzel Höfe) verdrängten die Höfe der
freien röm. Kleinbauern. In den Jahrhunderten um Chr. geb. erlebte die
Landwirtschaft in Italien und den römischen Provinzen, so unter andern in
Nord-Afrika, eine große Blüte. Die tonangebenden römischen Klassen waren
stark an der Landwirtschaft interessiert, die eine sichere Geldanlage bot
und von den Vornehmen auch als Liebhaberei betrieben wurde. Neue
Kulturpflanzen wurden importiert und akklimatisiert, die Haustierrassen
wurden durch bewusste Veredelung verbessert. Am Stillstand und Rückgang
dieser Entwicklung im Laufe des 2. Jh.s kann landwirtschaftliche
Überproduktion schuld gewesen sein, eher hängt es jedoch mit
komplizierteren Veränderungen in der Gesamtwirtschaft und sozialen
Struktur des römischen Kaiserreiches zusammen. Das Resultat der Expansion
der Landwirtschaft blieb jedoch inzwischen eine Veredelung und Ausbreitung
vorhandener und neuer Kulturpflanzen, wie sie nur in der arabischen
Expansion oder dem reichen Austausch von Nutzpflanzen nach der Entdeckung
Amerikas eine Parallele hat. Die Entwicklung der Viehzucht verlief analog,
wenn auch weniger revolutionär. Das Verhältnis der verschiedenen Zweige
der Landwirtschaft zueinander war naturgemäß vor allem durch Klima und
Bodenbeschaffenheit bestimmt. Historische und wirtschaftliche
Entwicklungen (Wachstum von Städten, eingreifende Veränderungen der
politischen Szenerie) konnten zwar begrenzte Einflüsse ausüben, im übrigen
aber blieb die Kontinuität der Produktion in den einzelnen Zweigen der
Landwirtschaft in den verschiedenen Regionen erhalten. Perioden
wirtschaftlichen Niedergangs konnten allerdings zur Vernachlässigung des
intensiven Ackerbaus zugunsten extensiver Weidewirtschaft führen, wie es
zum Beispiel zur Kaiserzeit in weiten Gebieten Griechenlands der Fall
war. Die Schwierigkeiten bei der
Erforschung der antiken Landwirtschaft liegen in verschiedenen
Punkten: l. Viele antike biologische Namen
lassen sich lexikalisch nicht mit Sicherheit identifizieren, zumal die fortgesetzte Veredelung
Charakter und Leistungsfähigkeit der Pflanzen im Laufe der Jahrhunderte
verändert hat. Systematische botanische Untersuchungen von Pflanzenresten
und Kornabdrucken in Keramik sind noch im Gange. 2. Archäologische Ausgrabungen
haben nur in geringem Maße Reste von kleinen Einzelhöfen hervorgebracht,
da hervorragende Fundkomplexe den Vorrang hatten, wohl aber zahlreiche
Reste von villae (Hof) Viele Ruinen werden nun schnell durch die
wirkungsvollen Maschinen der modernen industrialisierten Landwirtschaft
vernichtet. 3. Wie in manchen anderen Zweigen der Altertumsforschung fehlt es an statistischem Material: in welchem Grad kann man von einzelnen Erläuterungen auf den allgemeinen Zustand schließen? Andererseits hat die moderne Forschung neue Methoden gebracht, zum Beispiel die Luftphotographie von Äckern des Altertums und die systematische Katalogisierung und Veröffentlichung von erhaltengebliebenen Resten.
Landwirtschaft »Ihr,
die ihr durch viele Länder gekommen seid, habt ihr ein besser bebautes
Land gesehen als Italien? Ich jedenfalls glaube, dass es keines gibt. Man
muss jedoch auch zugeben, dass Italien zur Kulturlandschaft geeigneter ist
als Asien, erstens, weil es zu Europa gehört, und dann, weil dieser Teil
Europas ein gemäßigteres Klima hat als der nördliche. Wachsen nicht alle
Nutzpflanzen in Italien und bringen nicht alle die höchsten Erträge?
Welchen Spelt könnte man mit dem Campaniens vergleichen? Welchen Wein mit
dem Falernerwein? Welches Öl ist dem von Venafrum gleichzustellen? Ist
Italien nicht so sehr von Bäumen bedeckt' dass es ein einziger Obstgarten
zu sein scheint? Stehen die Rebstöcke in Phrygien, das Homer (Ilias 111,
184) doch als >weinreich< bezeichnet, etwa dichter, oder bringt
Argos, das derselbe Dichter (Ilias XV, 372) das >kornreiche< nennt,
mehr Weizen hervor? Wo kann man, wie in einigen Gebieten Italiens, von
einem einzigen Joch Land zehn oder fünfzehn Schläuche Wein gewinnen? Hat
nicht auch Cato in einem Buch seiner >Origines< geschrieben, dass
der >Ager Gallicus deshalb der römische heißt, weil er diesseits von
Ariminum (Rimini) unter römische Siedler aufgeteilt ist, und dass man von
jedem Joch Land bisweilen zehn Schläuche Wein erntet<? Die Bewohner
Italiens haben offenbar bei der Bestellung des Landes auf zwei Dinge
besonders geachtet: einmal, ob die Erträge Mühe und Aufwand lohnten, zum
andern, ob die einzelnen Gebiete ein gesundes Klima hatten oder nicht.
« So
schrieb Varro im Jahre 37 v. Chr. zu Beginn des Augusteischen Zeitalters
in der Einleitung seines berühmten Buches über das Landleben (de re
rustica 1, 2, 3-8). Er preist also Italien wegen seiner Fruchtbarkeit als
ein Land, das gleichsam durch die Gunst der Götter in jeder Hinsicht mehr
und bessere Erträge als jedes andere hervorbringt. Die Römer fühlten sich
wirklich als ein Bauernvolk und liebten es, sich so zu nennen, selbst dann
noch, als ihre Kultur sich weiter entfaltet hatte und man dem Leben in der
Stadt und den städtischen Beschäftigungen den Vorzug vor der Landarbeit
gab. Als Bauern hatten sie zwar das Glück, das fruchtbarste aller Länder
zu besitzen, doch konnten sie sich rühmen, nur durch ihre harte, zähe und
kluge Arbeit dem Boden solche Erträge abgerungen zu haben. Während Vergil
in den Georgica die Fruchtbarkeit der Felder und die »fröhlichen Herden«
Italiens besingt, vergisst er nicht, die Bewohner Arkadiens, die in
friedvollem und untätigem Leben die Früchte ernten, welche die Erde ihnen
von selbst spendet, mit den italischen Bauern zu vergleichen, für die
Mühe, Kampf und täglicher Fortschritt das Mittel und der Preis ihres
Glückes sind (IV, 125 ff; 111, 132). Als
die Italiker auf der Apenninenhalbinsel festen Fuß fassten und die frühere
mediterrane Bevölkerung überlagerten und sich mit ihr vermischten, waren
sie schon seit langer Zeit mit Viehzucht und Ackerbau vertraut. Das
fruchtbare Latium lockte trotz seiner vielen sumpfigen und ungesunden
Gegenden die Einwanderer an und stellte hohe Anforderungen an ihre
Geschicklichkeit und ihren Fleiß. Es ist wenig sinnvoll, hier auf die alte
Streitfrage einzugehen, ob bei den alten Latinern, die das linke
Tiberufer, wo später Rom entstehen sollte, bewohnten, der Ackerbau oder
die Viehzucht vorherrschte, zumal die Sagen, die sich auf den Ursprung und
die ersten Jahrhunderte der Stadt beziehen, beides in gleicher Weise
erwähnen. Der Name Palatin und das Fest Parilia sind ohne Zweifel mit der
Göttin der Hirten, Pales, in Verbindung zu setzen; aber ebenso alt ist der
Kult des Consus, einer Gottheit des Ackerbaus, dem zu Ehren man am Fuge
des Palatin einen Altar errichtet hatte und das Fest der Consualia
beging. Mit
der Zeit musste jedoch der Ackerbau überwiegen, und es ist wahrscheinlich,
dass die enge Berührung mit den Etruskern zur Entwicklung des Ackerbaus in
Latium nicht wenig beigetragen hat, wie auch die Italiker im Süden
Italiens und auf Sizilien auf diesem Gebiet vieles von den Griechen und
den Karthagern gelernt haben. Die
kleinen Bauernhöfe
Die
Wissenschaftler, die versucht haben, die Entwicklung der Landwirtschaft in
Latium zu erforschen, sind sich im wesentlichen darin einig, dass man drei
aufeinanderfolgende Perioden zu unterscheiden hat. in der ersten Periode,
die der Königszeit und etwa den beiden ersten Jahrhunderten der Republik
entspricht, war das latinische Gebiet in kleine Bauernhöfe aufgeteilt, auf
denen der Getreideanbau vorherrschte; das Vieh schickte man vermutlich auf
die Gemeindeweide. In der zweiten Periode, die die römische Expansion im
Mittelmeer (vom dritten bis zum ersten Jahrhundert v. Chr.) umfasst, kam
es zur Bildung von mittlerem und größerem Grundbesitz; die Baumkultur,
besonders der Anbau von Wein und Oliven, herrschte vor und war
einträglicher als der von Getreide, das jetzt zu niedrigen Preisen in
großen Mengen von Sizilien und Sardinien, aus Nordafrika und Kleinasien
eingeführt wurde. In der dritten Periode - im letzten Jahrhundert der
Republik und den ersten Jahrzehnten der Kaiserzeit - überwog die Viehzucht
und die sogenannte oeconomia villae mit einer spezialisierten
Plantagenwirtschaft und auf kleinere Betriebe aufgeteilten Tierzucht. Nur
im Norden und teilweise auch im Süden Italiens behielt man auch in diesen
drei letzten Jahrhunderten der Republik die Bewirtschaftung kleiner
Bauernhöfe bei. Dass
der kleine Bauernhof und das Gemeindeeigentum in ältester Zeit
vorherrschten, scheinen uns einige Hinweise im Zwölftafelgesetz zu
bestätigen. In dieser Gesetzessammlung ist das Eigentum des Bauern als
hortus bezeichnet (ein Wort, das später die Bedeutung »Garten« annahm),
während das Wort für Garten heredium ist. Das bäuerliche Besitztum, der
hortus, umfasste jedoch nur ein sehr kleines Stück Land von zwei Joch
(ungefähr ein halber Hektar), für jedes Mitglied der Familie. Es war
erlaubt, dieses Eigentum mit einer Umfriedung zu umgeben (hortus =
griechisch Xöorog bezeichnete ursprünglich das umfriedete Land). Das
übrige Land blieb der gemeinsamen Nutzung vorbehalten und wurde
größtenteils als Viehweide verwendet, oder man teilte es ebenfalls in
bestimmten zeitlichen Abständen auf. Natürlich nahm mit dem Rückgang der
Viehzucht und der Ausdehnung des Ackerbaus der gemeinsame Landbesitz
allmählich ab, da sich die Bauern von dem Land, auf das sie ihre ganze
Sorge und Mühe gewendet hatten, nur schwer trennen konnten. Hart
war die Arbeit und äußerst karg das Leben der anspruchslosen Bauern von
Latium! Ein Dichter der Augusteischen Zeit, der überaus fruchtbare Ovid,
hat dieses Leben in einer berühmten »Idylle« in den Metamorphosen (VIII,
611 fo geschildert. Die Geschichte spielt jedoch nicht in Italien, sondern
in Phrygien; zwei alte Bauersleute wohnen allein in einer Hütte; ein
kleiner Acker gibt ihnen alles, was sie zu ihrem einfachen, aber
glücklichen Leben brauchen. Es kann jedoch kein Zweifel darüber
bestehen,
dass wir in der »idylle« von Philemon und Baucis, wenn auch »stilisiert«,
die Schilderung eines gastlichen Mahles vorfinden, wie es zur Zeit des
Vergil und Horaz ein einfacher Bauer aus Latium einem vornehmen,
unverhofft eintreffenden Gast angeboten haben könnte. In
dem von Ovid beschriebenen »Menu« ist das Brot nicht erwähnt, das gute
Brot aus Weizen (triticum), das die römischen Bauern in großen Mengen
verzehrten. in frühester Zeit ernährten sich die Römer nicht von Weizen,
sondern von Spelt, den sie rösteten und zu Mehl mahlten. Den Spelt und die
als Pferdefutter verwendete Gerste bauten die Römer bis zur Mitte des
fünften Jahrhunderts v. Chr. an; damals begannen sie mit dem Anbau von
Weizen. Aus dem Spelt kochte man mit Wasser und Salz einen Brei (puls),
den man zusammen mit einer Zukost (pulmentarium) aus Milcherzeugnissen und
Gemüse, wie Bohnen, Zwiebeln und bestimmten Sorten von Rüben, aß. Wir
wissen jedoch, dass die römischen Bauern, auch als sie bereits das
Weizenbrot kannten, den Speltbrei noch lange Zeit hindurch vorzogen.
Fleisch aß man auf dem Lande nur sehr selten und dann gewöhnlich Hammel
oder Schweinefleisch; Rindfleisch gab es nur an Feiertagen; Fischgerichte
waren noch seltener. Die
Latifundien Lange
Zeit hindurch entsprach der Sparsamkeit und Einfachheit des Landlebens
eine strenge Lebensweise in der Stadt. So war es zur Zeit der Tarquinier,
so zur Zeit der Decemvirn und des Camillus; und noch während der
kriegerischen Auseinandersetzungen mit Pyrrhus blieb in den römischen
Bauern wie auch in der Stadtbevölkerung die enge Verbundenheit mit den
alten einheimischen Gottheiten und der Religion der Väter erhalten. Die
Familie hielt immer noch an der straffen Zucht, den ernsten Sitten und
Gebräuchen und sogar an den harten Bestimmungen des Zwölftafelgesetzes
fest. Die Lebensführung war in Rom genauso wie in ganz Latium sehr
einfach. Die dürftigen Wohnungen mit ihren bescheidenen Einrichtungen, die
ärmliche Kleidung und die geringe Zahl der Sklaven bildeten einen starken
Kontrast zu dem verschwenderischen Leben in den etruskischen, campanischen
und griechischen Städten Italiens, wo in den Häusern der Reichen wertvolle
Einrichtungsgegenstände, kostbares Küchengeschirr und bernalte Keramik im
Überfluss vorhanden waren. Dort kannte man schon die Gold- und
Silberwährung, und zahlreiche Sklaven vermehrten durch ihre harte Arbeit
den bereits beträchtlichen Reichtum ihrer Herren. Dann
kam die lange, blutige Auseinandersetzung mit Karthago. Die vierundzwanzig
Jahre des ersten Punischen Krieges, dessen Schauplatz hauptsächlich
Sizilien war, gestalteten die römische Gesellschaft, die Bevölkerung
Latiums und Mittelitaliens viel tiefer um als die fünfunddreißig Jahre des
zweiten und dritten samnitischen Krieges, die beide größtenteils in
Campanien und Apulien ausgetragen worden waren. Während dieser
vierundzwanzig Feldzüge gab es kaum einen römischen Bürger mittleren
Alters, der nicht wenigstens drei oder vier Jahre auf den Schlachtfeldern
und in den Garnisonen Siziliens verbracht hätte. Von Syrakus und den
anderen griechischen oder griechisch-phönizischen Städten Siziliens
kehrten die römischen und italischen Soldaten mit einem neuen Wortschatz,
neuen Ideen und Sitten, die sie in einem von dem ihren völlig
verschiedenen Kulturbereich übernommen hatten, nach Hause zurück. Es ist
nur natürlich, dass durch diese Einflüsse ihre einheimische Kultur auf dem
Land wie in der Stadt einen tiefgehenden Wandel erfuhr.
Besonders
schwer traf der lange Krieg die Landwirtschaft in Italien, und zwar nicht
so sehr deshalb, weil in diesen Jahren die Reihen der Kleinbauern stark
gelichtet wurden' als vielmehr aufgrund der langen Abwesenheit der Bauern
von ihren Feldern und der dadurch herbeigeführten nicht wieder
gutzumachenden wirtschaftlichen Schäden und nicht zuletzt wegen der
Abneigung der jungen Soldaten gegen das Leben auf dem Lande; denn sie
hatten zu lange in den üppigen Städten Siziliens gelebt und sich zu
schnell an die leichten Gewinne, wie sie Plünderungen und Kriegsbeute
verschafften, gewöhnt. Aber
noch viel schwerer und empfindlicher waren die wirtschaftlichen und
sozialen Folgen der Eroberungskriege und der Ausdehnung der römischen
Macht auf das ganze Mittelmeerbecken am Ende des dritten und in der ersten
Hälfte des zweiten Jahrhunderts v. Chr. Die Gier nach Geld hatte alle
gepackt. Die Römer fanden Gefallen an Handel und Verkehr; sie folgten
darin dem Beispiel der Griechen und der Bewohner Siziliens, der Etrusker
und Campaner. So gewann von der Mitte des zweiten Jahrhunderts an in Rom
der Stand der Handeltreibenden eine immer größere Bedeutung; gleichzeitig
wuchs auch ständig die Zahl und die Macht derer, für die sich mit der
Übernahme öffentlicher Arbeiten und Aufträge (wie der Eintreibung von
Steuern) eine neue reiche Erwerbsquelle erschloss. Die
alte Senatsoligarchie, die wahre nobilitas, hatte es bislang vermocht,
ihre Sonderstellung gegenüber den vielen »Neureichen« nichtadliger
Herkunft zu behaupten. Die gesetzliche Bestimmung des Jahres 218 v. Chr.,
die Senatoren verbot, ihr Kapital in Handelsuntemehmungen anzulegen, trug,
obwohl man mit ihr ein anderes Ziel verfolgte, wesentlich dazu bei, dass
diese Trennung aufrechterhalten blieb. Aber auch den Senatoren standen mit
dem Erlös der Kriegsbeute und mit den Gewinnen, die man aus der Verwaltung
der Provinzen ziehen konnte, reiche Einnahmequellen offen. Dieses Kapital,
das man nicht im Handel und in
Pachtverträgen
investieren durfte, legte man natürlich in Land an. Die Folge war, dass
sich die Senatsoligarchie allmählich in eine Schicht von Großgrundbesitzen
umwandelte. Die ersten Großgrundbesitze (latifundia) bildeten sich vor
allem in den Teilen der Halbinsel - zum Beispiel Süditalien und Sizilien
-, die besonders schwer unter den Verwüstungen und Umwälzungen des Krieges
gegen Hannibal zu leiden hatten. Dort sahen sich die Besitzer kleiner
Bauernhöfe gezwungen, Haus und Hof für einen Spottpreis zu verkaufen, nur
weil ihnen die Mittel fehlten, um ihre verwüsteten Felder wieder instand
zu setzen; so bildeten sich die Latifundien und breiteten sich auf Kosten
des mittleren und kleinen Besitztums immer weiter aus. Andererseits
fehlten nicht allen Kleinbauern die notwendigen Mittel, um ihre Felder
rentabel und ertragreich zu erhalten; denn auch di ' e einfachen Soldaten
und die Zenturionen kehrten aus dem Krieg fast immer mit einem kleinen
Geldbetrag zurück. Aber ein anderer Umstand bedrohte die Existenz der
mittelgroßen und kleinen Bauernhöfe auch dort, wo die immer weiter um sich
greifende Abneigung gegen die Landarbeit und die Verwüstungen des Das
waren also die verschiedenen Gründe, die um die Mitte des zweiten
Jahrhunderts v. Chr. den Verfall und schließlich das völlige Verschwinden
der Bauernhöfe in Italien verursachten. Außer der Auflösung der mittleren
und kleinen Landwirtschaftsbetriebe begünstigte die ständige, oft
willkürliche Besitznahme des ager publicus durch die nobiles die Bildung
von Latifundien. Der ager publicus setzte sich aus den mehr oder weniger
großen Gebieten zusammen die man nach und nach den unterworfenen Völkern
genommen, aber nicht in die Landzuweisungen an römische oder latinische
coloni einbegriffen hatte. Dieses Staatsland wurde allmählich mit
Erlaubnis des Staates von Privatleuten (nicht nur römischen Bürgern,
sondern auch latinischen und italischen Bundesgenossen), denen man dieses
Land zur Nutznießung überließ, in Besitz genommen. Der Eigentümer dieser
Gebiete blieb jedoch nominell der Staat, der es sich auch vorbehielt, als
Zeichen seines Besitzrechtes eine jährliche Steuer zu erheben. Diese
Einrichtung sollte die Bildung vieler neuer Bauernhöfe begünstigen, wurde
aber sehr bald einer der entscheidenden Faktoren für die Entstehung der
Latifundien; denn das größte Teil dieses ager publicus kam schließlich in
die Hände der reichsten und mächtigsten Leute. Zu
Beginn der Kaiserzeit hatten sich riesige Großgrundbesitze gebildet, wie
jener des Agrippa in Sizilien, der des unbekannten Freigelassenen, von dem
Horaz in seiner Epode (4, 13) sagt, dag er »arat Falerni mille fundi
iugera«, oder das Gut Senecas, das Columella (111, 5, 3) wegen seiner
vorbildlich angelegten Weinberge preist. An dieser Stelle muss man den
Leser vor Schlussfolgerungen warnen, die man oft zieht angesichts der
großen Schäden, zu denen die Ausbreitung der Latifundien geführt hat; man
beruft sich hierbei auf den berühmten Ausspruch des Plinius (XVIII, 35):
latifundia perdidere Italiam! Zweifelsohne haben die Latifundien Italien
zugrunde gerichtet. Doch der Verfall der mittelgroßen und kleinen
Besitztümer hatte auch entscheidende Folgen im sozialen, moralischen,
politischen und militärischen Bereich- Der Ackerbau und die Viehzucht, die
nun auf großen Gütern betrieben und von einem bedeutenden Kapital
unterstützt wurden, hatten außergewöhnliche Erfolge zu verzeichnen. Neue
Methoden und neue Kulturen, die man in den Ländern der besiegten Völker
kennen gelernt hatte, breiteten sich aus, und auch die Sklaven brachten
oft wertvolle technische Neuerungen mit. Es lichteten sich die Wälder; an
die Stelle des nicht mehr einträglichen Anbaus von Getreide traten die
Weinberge, die Olivenhaine und die Obstgärten. Gegen Ende der Republik
hatte Italien seine größte landwirtschaftliche Blüte erreicht und wurde
als Garten der Welt besungen. Später
beginnt ein langsamer Prozess der Erschlaffung und des Verfalls, der
jedoch andere Ursachen hat, wie zum Beispiel den Geburtenrückgang, die um
sich greifende Bürokratisierung, die Steuerlasten, die
Geldentwertung.
Aber
trotz allem blieb in den ersten Jahrzehnten des Kaiserreichs neben den
Latifundien hier und da in Italien das mittelgroße bäuerliche Besitztum
bestehen, geschützt durch weise Gesetze und begünstigt durch den Bau von
Straßen und Brücken, die Sicherheit des Verkehrs und den langanhaltenden
Frieden. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Uwe Bigalke 2003 |