Chemtou (Simitthus)

Hier kreuzten sich einst wichtige römische Straßen, so die Straße von Karthago nach Hippo Regius (Annaba/Algerien) und die Straße Sicca Veneria (Le Kef) nach Thabarca ( Tabarka).

Die Straße war für den Abtransport des Marmors sehr wichtig.

Die Römische Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) unter Prof. Rakob und das tunesische Institut National du Patrimoine (INP) erforschten von 1965-1996 das antike Chemtou und die Reste vorrömischer und römischer Bebauungen. Es wurde ein numidisches Höhenheiligtum aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. mit bedeutender hellenistischer Baudekoration entdeckt. Die Ostfassade wurde im Museum nachgebildet und ist das zentrale Denkmal der Ausstellung.

Der goldfarbene Marmor der Steinbrüche von Chemtou wurde zuerst in der Zeit des Numiderkönigs Micipsa (149-118 v. Chr.) gebrochen.

Er schmückte in der Zeit römischer Herrschaft über das heutige Tunesien Repräsentationsbauten im gesamten römischen Reich, vor allem in Rom selbst.

 

Bild 1 Museum

Wenn Sie vor dem Museum stehen, blicken Sie direkt auf eine imposante Halde mit Marmorschutt, der durch den Abbau im großen Stil römischer Zeit entstanden ist.

Bild 2 Marmorschutt
Bild 3 verworfene Säule
 Bild 4 noch nicht fertig ausgearbeitete Säule auf der Bergkuppe (Riss im Säulenkörper)

Während der Erforschung Chemtou`s wurden auf dem Berg die Fundamente des numidischen Höhenheiligtums gefunden.

Auf der Nordseite befindet sich das römisches Arbeitslager, in dem man den Marmor weiter verarbeitete. Neben dem Lager eine Garnison der Wachmannschaften und der Komplex der Steinbruchverwaltung.

Bild 5 Arbeitslager

Unweit des Lagers sind die Reste einer christlichen Kirche des 6. Jahrhunderts zu sehen.

Um den Berg herum finden sich die Ruinen der antiken Stadt Simitthus (heute Chemtou) mit den Ruinen, wie sie in fast allen römischen Städten zu finden sind: das Amphitheater, das Bühnentheater, die Forumsbasilika, eine dreischiffige Markthalle, die Thermen (Stadtbad).

Unter dem römischen Forum befand sich ein Friedhof aus dem 4. bis 1. Jahrhundert v. Chr., der zum Teil rekonstruiert wurde. Am Forum die Forumsbasilika und der Sockel einer Fontäne.

In dem, an der Stadt grenzende, Fluss Medjerda (Bagrada) liegen die Reste einer Staudamm-

Brücke, die unter Kaiser Traianus 112 n. Chr. geweiht wurde. (Die Weihinschrift befindet sich im Museum Chemtou). Die Brücke ist die bedeutenste Römerbrücke in Tunesien.

Nach der Zerstörung der Brücke durch Hochwasser wurde eine der beiden, in Nordafrika bekannten, römischen Turbinenmühlen (3. bis 4. Jahrhundert n. Chr.) gebaut. Die zweite Turbinenmühle befindet sich in Testour. Ein Modell im Museum zeigt die Arbeitsweise der Mühle.

Bild 6 Turbinenmühle 

Bei der Anfahrt nach Chemtou fallen als erstes die Reste der Wasserleitung auf der rechten Seite auf. Die Wasserleitung ist 14 km lang. Der mehrschiffige unterirdische Speicher ist noch vorhanden, von hier aus wurde das Wasser über das Aquädukt bis an die Thermen (Stadtbad) herangeführt.

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Uwe Bigalke 2005