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VIA NUMIDICA Geschichte und Leben einer antiken Hauptstraße in Tunesien von Uwe Bigalke | |
| II Die Straßenkonstruktion (Auszug) | |
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Abb. A Fahrdamm im Schwemmland und Feuchtgebiet. |
Abb. B Fahrbahn im Hangbereich der anstehenden Berge. |
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Wir finden diese Bauweise im Raum TURRlS, Abb. 9, zwischen VALUS und AD ATTICILLE, Abb. 12, und ein, noch gut sichtbares. Teilstück kurz vor DRUSIHANA. Der Damm ist eine Aufschüttung aus Kies und Gestein, dann eine gelegte Gesteinsschicht von 15 - 25 cm und einer Verschleißschicht aus Sand und grobem Kies. Hier wurde eine Treppenabstufung an der, dem Hang abgewandten, Seite von 2 bis 3 Stufen aufgebaut und mit Steinen und Sand verfüllt. Die Abstufung sollte das Hinterspülen der Fahrbahn verhindern. Das besterhaltene Teilstück finden wir 1 Meile vor THENA, Abb. 86, an der 66. Meile.Hier wurde der Boden lediglich ausgeglichen, dann links und rechts mit Randsteinen versehen und mit Gestein ausgelegt, und dann mit einer Verschleißschicht versehen, Abb. 34 und 35. |
| Abb. C Fahrbahn im Flachlandbereich mit festem Untergrund. | |
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| Abb. 85 Der Fahrdamm zwischen der COLONIA VALLIS und AD ATTICILLE | Abb. 86 Treppenabstufung an der 66.Meile vor THENA |
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Abb. 87 Gesetzte Randsteine an der Fahrbahn zwischen THENA und AQVAE |
Abb.88 Gesetzte Randsteine zwischen der 69. und 70. Meile. |
| Die Randsteine wurden aus dem, in der Umgebung vorkommenden, Gestein nur grob vorbearbeitet und dann fluchtgerecht rechts und links der Fahrbahn verbaut. Wir finden auf der Strecke zwischen CHOREVA und AQUE, das ist etwa die 64. bis 73. Meile, noch einige, sehr gut erhaltene Teilstücke, die es verdient hätten, noch genauer untersucht zu werden. Außerdem wäre es interessant, die rechts und links der Fahrbahn befindlichen römischen Gebäudereste genauer zu durchleuchten, da diese sicherlich in Verbindung mit der Straße entstanden sind. Hier wäre es noch möglich, ein unverfälschtes Bild von dem Leben an einer antiken Straße zu erhalten. |
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Abb. 89 Gesetzte Randsteine bei Tabet ech Cherif | |
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Abb. 90 Die zerstörte Fahrbahn bei Tabet ech Cherif. |
Abb. 91 Die Fahrbahn zwischen THACIA und dem Oued Tessa, ca.98. Meile. |
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| Abb. 92 Die Fahrbahn zwischen dem Oued Tessa und DRUSIHANA | Abb. 93 Die Fahrbahn zwischen dem Oued Tessa und DRUSIHANA. |
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| Abb.94 Wasserüberlauf zwischen THENA und AQUAE |
Abb. Abgestufter Wasserüberlauf aus Quadern an der Via Numidica |
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| Abb.95 Wasserüberlauf bei AQUAE | Abb.96 Wie vor. |
| Der große, abgestufte Wasserüberlauf in Ain Younes ist ein, zweimal abgewinkeltes, etwa 6 Meter hohes, Bauwerk aus römischem Beton. Die Schenkellängen betragen 12 x 12 x12 m. Die Schale ist eine Konstruktion aus aufgemauerten Steinquadern, die stufenförmig gegen den Hang gesteift sind. Stufenhöhe 1.10 m, Stufenbreite 10 - 15 cm. Die Auffüllung am Hang ist aus Opus Caernentitium. Die Auffüllung reicht zum Teil bis auf den anstehenden Fels. Am oberen Rand ist die letzte Quaderreihe mit einer Verankerung in Schwalbenschwanzformat versehen worden, um das Abdrücken der Steine bei großen Wassermengen zu verhindern. Auf Abb. Nr. 98 kann man sehr schön die Tagewerke anhand der Schichtungen ausmachen. Das Bauwerk ist im Zuge der Ausbauarbeiten der Straße 123 n. Chr. entstanden. Die Macht des Wassers hat dann doch die beiden äußeren Schenkel hinterspült und einen Schenkel aus der Fluchtrichtung gedrückt. |
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| Abb.98 Wasserüberlauf, Ansicht der freigespülte Rückseite. | |
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Abb. 97 Gesamtansicht Wasserüberlauf bei AQUAE |
Abb. 99 Verankerung im Randbereich |
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Abb.100 Durch den Wasserdruck verschobener Wasserüberlauf |
Abb. 101 Brücke bei MIZIGI, Auslaufseite |
| Große Brückenbauwerke, wie zum Beispiel die Staubrücke über den
Oued Medjerda in Chemtou, finden wir an der VIA NVMIDICA nicht. Das
liegtsicherlich zur Hauptsache an der Tatsache, dass die klimatischen
Verhältnisse anders sind als in Europa. Im Winter kurze heftige
Regenfälle, die dann die Flüsse und Oueds schnell anschwellen und auch
ebenso schnell wieder versiegen lassen. An einigen Stellen hat man die
Flüsse (Oueds) scheinbar mit Holzbrücken überwunden. Beispielsweise in
VALLIS, CHOREVA, AQUAE und auch im Tal des Oued Khalled finden sich Reste
römischem Betons, die auf Widerlager für Holzbrücken hindeuten. Die
einzige, noch intakte massive Brücke, die wir antreffen, befindet sich vor
Khalled Nord. Es ist eine kleine Brücke mit einer Breite von etwa 8,00
Meter. Die Bogen-breite beträgt 2 Meter. Die Schale, einschließlich der
Wasserführungen am Ein- und Auslauf, wurde aus Quadern hergestellt, mit einem Kern aus Opus
Caernentitium. Die Brücke versieht jetzt schon 1800 Jahre ihren Dienst,
ohne größere Schäden und Reparaturen. Das Ergebnis unserer Nachforschungen
bezüglich der Straße möchten wir wie folgt zusammen fassen : Die Straße
war durchweg mit einer Verschleißschicht aus grobem Kies und Sand
versehen, eine Pflasterung oder einen Plattenbelag trifft man nur in
größeren Orten an. Der Aufbau der Fahrbahn ist wie folgt: Auf einem
Kiesbett wurde eine Packlage aus unterschiedlich großem Gestein
aufgebracht. Das in nächster Nähe vorkommende Gestein wurde dazu
verwendet. Die Packlage ist je nach Bodenausgleich unterschiedlich stark
(vergleiche Abb. 82 und 84), die letzte Lage wurde hochkant gestellt und
möglichst plan ausgerichtet, dann mit Kies und kleinen Steinen verfüllt.
Links und rechts der Fahrbahn setzte man einen Randstein aus etwas
größeren Steinen, die nur grob bearbeitet sind. An drei Stellen finden wir
eine Mörtelschicht von mehreren Zentimetern. Hierzu zitieren wir H.-O. Lamprecht in seinem Buch OPUS
CAEMENTITIUM und möchten uns seiner Meinung anschließen. Er schreibt wie
folgt : In den germanischen Provinzen weisen die Straßen meistens
Deckschichten aus Kies auf, in anderen Regionen und in den Städten häufig
aus plattenartigem Steinpflaster. Römische Straßenkonstruktionen enthalten
oft Schichten aus einem betonartigen Material; es wurden Dicken bis zu 50
cm gemessen. Dieser Baustoff wird in der archäologischen Fachliteratur z.
B. mit Mörtel, Beton, Concret oder Beton bezeichnet. Hierbei handelt es
sich einerseits um Schichten aus Opus Caernentitium. Zum ändern können
auch Puzzolane oder bestimmte Kalkvorkommen unter Regeneinwirkung zu einem
betonartigen Stoff erhärten. Zur Klärung dieser Fragen wären weitere
Untersuchungen wertvoll. Unabhängig von der Entstehung ist anzumerken,
dass die Plattenwirkung einer betonartigen Schicht wie auch heute die
Verkehrsbelastungen verteilt und sie dadurch günstig in den Untergrund
ableitet. Schäden durch Fahrzeuge werden so vermindert.
Fahrbahnmarkierungen und ihre Bedeutung An drei Stellen konnten wir Fahrbahnmarkierungen ausmachen. Es handelt sich hier um, quer über die Fahrbahn verlegten, Steinquadern in länglichem Format. Wir finden die Markierung etwa 1 Meile vor THENA an der 66. Meile, Abb. 104. An dieser Stelle haben auch einige Meilensteine gestanden und links der Fahrbahn sind Fundamentreste sichtbar. An der 68. Meile, 1 Meile hinter THENA, auch ein Meilensteinstandort, finden wir eine Markierung, Abb. 105, und Fundamentreste auf der rechten Seite. Die dritte Markierung an der 71. Meile, Abb. 106, liegt 200 m vor Henchir bou Ahmed im Feld; von hier ist es etwa 1 Meile bis AQUAE. Siehe Karte Nr. 6 auf Seite 35) Wann und warum die Fahrbahnmarkierungen in die Straße eingebaut wurden, ist noch unklar. Es handelt sich sicherlich nicht um Baulose, wie man sie in England nachweisen konnte. In diesem Fall nehmen wir an, dass hier eine Bereichs- oder Ortsgrenze markiert worden ist. Zwei der vorgefundenen Markierungen sind auch nachweislich Standorte für Meilensteine. Wir können feststellen, dass Meilensteine, in den meisten Fällen, etwa eine Meile vor und eine Meile hinter einem Ort oder einer größeren Siedlung platziert wurden. Allem Anschein nach, waren die einzelnen Gemeinden oder Städte gehalten, auf oberste Anordnung hin, die Steine für den erlauchten Kaiser zu setzen. Somit setzte man die Steine an oder kurz vor der Ortsgrenze, die dann vermutlich auch durch eine Markierung kenntlich gemacht wurden. Ob der Reparaturdienst an der Straße von den Gemeinden an der Straße ausgeführt wurden, ist unklar. Inschriften aus dem 4. Jahrhundert deuten daraufhin, dass größere Gemeinden für mehrere Orte und Straßenkilometer zuständig waren. Siehe Meilenstein lfd. Nr. 23 und lfd. Nr. 28. Hier waren allem Anschein nach die Munizipium SVLVLOS und THICNICA für ein größeres Gebiet zuständig. Uwe Bigalke
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| Abb. 102 Brücke bei MIZIGI, Einlaufseite | |
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| Abb. 103 Fahrbahn zwischen dem Oued Tessa und DRUSIHANA | |
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| Abb. 104 Fahrbahnmarke | |
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Abb.105 wie vor | |
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| Abb.106 Fahrbahnmarke, heute im freien Feld. siehe Karte Nr. | |
www.bigalke-schmiedekunst.de
www.gabi-markt.com |
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