Römische Turbinenmühlen in Chemtou und Testour

von Uwe Bigalke

Abb.1 Ansicht der Mühlen in Flussrichtung Abb.2 Reste des Mühlengebäudes
Zu den größten Errungenschaften der Römer gehörte sicherlich der Bau der Turbinenmühlen im 3.bis 4. Jahrhundert. Muskelkraft wurde hier durch Wasserkraft ersetzt und somit konnte man wahrscheinlich das ganze Jahr über mit diesen Turbinenmühlen Getreide vermahlen. Jede der Mühlen besaß drei Mahlwerke, die von drei Turbinen direkt angetrieben wurden.
Abb.3 Ansicht vom Hang auf die, vermutliche erste, Anlage Abb.4 Eingelaufene Nuten durch die Turbinenschaufel
Abb.5 Eine beim Bau der Mühle verwendete Spolie (Grabstein) Abb.8 Rekonstruktion der Turbinenmühle durch J. Röder

Hierzu schreibt Prof. Friedrich Rakob in der ANTIKEN WELT Ausgabe 4/ 1993 folgendes:

Seit ihrer Entdeckung und Rekonstruktion durch J. und G. Röder ist die römische Turbinenmühle im Trümmerareal der römischen Medjerda-Brücke von Chemtou einzigartig geblieben Im ersten Band der deutsch-tunesischen Grabungspublikation, der im Oktober 1993 erscheinen soll, hat G. Röder den wesentlichen Unterschied dieser Anlage zu anderen antiken Mühlen ausführlich dargestellt. Schneller, als zu erwarten war, ist die im Schlusssatz ihrer Untersuchung formulierte Hoffnung, dass in Zukunft weitere Beispiele dieser ungewöhnlichen technischen Neuerung auftauchen möchten, bestätigt worden.

Abb.6 Wassereinlauf Abb.7 Lage der Turbine

Abb.9 Schnittzeichnung der Turbinenanlage nach J. Röder

den drei Gerinnen ist der nördliche Kanal im Hochwasser des Jahres 1979 weggebrochen, seine nördliche Wandung liegt heute horizontal verkippt im Fluss Das zweite Gerinne besitzt im Gegensatz zu Chemtou noch seine ursprüngliche Plattenabdeckung, das dritte ist am Steilufer verschüttet. Doch zeigen Reste der aufgehenden Ostwand des Mühlengebäudes die ursprüngliche Größe des Gebäudes. Deutlich erkennbar sind die Nuten für Stauschützen und Reste der Turbinenrundschächte, die über dem Radkasten aus Kalksteinblöcken mit Ziegeln verkleidet waren. Nach den mit der Mühle in Chemtou identischen Baumaßen und Details ist die Anlage wahrscheinlich gleichzeitig mit jener in Simitthus entstanden. Während dort die Trümmersituation der römischen Brücke das Medjerda- Wasser aufstauen konnte, scheint in Testour nach einer Flussaufwärts im flachen Wasser deutlich erkennbaren Quaderlage ein Staukanal angelegt zu sein. Die Untersuchung dieses neuen, bedeutenden Beispiels spätantiker Technologie soll noch in diesem Jahr beginnen.

Soweit Prof. Rakob in seinem Artikel in der ATIKEN WELT. Nach weiteren Begehungen sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich nicht um einen Staukanal handelt, sondern vermutlich um eine zweite Anlage. Die Anlage wurde entweder parallel zur anderen Anlage errichtet wurde, oder sie war ein Vorgänger, die den Staudruck in der Flussschleife nicht standgehalten hat.

Leider ist das Interesse auf der tunesischen Seite an dieser, wirklich hochinteressanten technischen, Anlage nicht sehr groß und die Gemeinde entsorgt hier weiterhin ihren Müll und leitet die Abwässer der Stadt über die Ruine in den Fluss ein. Es ist also in den letzten acht Jahren seit der Entdeckung der Mühle nichts passiert, außer das sich die Konservierungsschicht in Form von Müll erhöht hat. Diese Turbinenanlage ausgraben und restaurieren würde sich sicherlich als Touristenattraktion vermarkten lassen und der armen Gemeinde Testour gut zu Gesicht stehen.

Abb.10 Fundamente der, von uns vermuteten, zweiten Anlage Abb.11 Ansicht von oben auf die Gerinne der Mühle in Chemtou
Abb.12 Chemtou Gerinne Abb.13 Chemtou Turbinenschacht und wenn sie nicht gestorben sind dann leben Sie noch heut.

                                

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Uwe Bigalke Januar 2003